Transformation durch Gesundheit: Gesundheit all-umfassend – Chancen für Boden und Landwirtschaft

Der Gesundheit des Bodens und in weiterer Folge des Klimas widmete sich Thomas Karner. Er erzählte von international gefragten Humusaufbau-Projekten der Ökoregion Kaindorf.

Die Ökoregion besteht seit 12 Jahren und ist eine Kleinregion mit drei Gemeinden, 6000 EinwohnerInnen und hat bis dato 300 Projekte realisiert: dazu gehört unter anderem Ökostrom (eine Photovoltaikbeteiligungsgesellschaft) und E-Ladestationen für ein- und zweispurige Fahrzeuge. Die Ökoregion ist die erste plastiksackerlfreie Region in Österreich und unterhält viele weitere Aktivitäten: Ökologie-Unterricht und – Projekte in Schulen und Kindergarten, Geero (Genussradrundfahrt in der Ökoregion) und das Green Dinner. Sie beinhaltet Vorzeigebetriebe, die nachhaltig arbeiten und klimaneutralität anstreben. 

LandwirtInnen werden zu KlimaschutzwirtInnen: Der Humusaufbau ist das Herzstück der Aktivitäten der Ökoregion. Bei einem österreichweiten Durchschnittsverlust von 3,8 Tonnen wertvollen Boden pro Hektar bauen sich nur 1 bis 2 Tonnen jährlich auf – Lebensmittel könnten damit nicht mehr angebaut werden. Humusaufbau ist aber auch zum Schutz des Grundwasser und zur CO2-Bindung eine wichtige Maßnahme. In Österreich (Stmk, NÖ, OÖ) arbeiten 300 “Humus-LandwirtInnen” auf 3000 ha aktiv daran. Mit diesem Projekt kann die Ökoregion Kaindorf auch CO2-Zertifikate anbieten.

Des Weiteren hielt die Ökoregion den ersten steirischen Gemeindefachtag zu Ökologische Grünraum-Bewirtschaftung an und ist die Drehscheibe für die in Niederösterreich angesiedelte  Aktion Natur im Garten. Damit erfolgt die Gartenbewirtschaftung zertifiziert ohne Düngemittel, Pestizide und Torf.

Gusto auf Transformation durch Kooperation

Auf dem Weg der Lebensmittel von den Feldern der LandwirtInnen, Bauern und Bäuerinnen zu den KonsumentInnen durchlaufen sie verschiedene Stationen und unterschiedliche Kanäle der Verteilung. Einen kritischen Blick auf das bestehende globalisierte, neoliberale Lebensmittelversorgungssystem warf die Forscherin Sandra Karner vom Interdisziplinären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur in Graz, die mit ihren transdisziplinären Zugang in nachhaltige und inklusive Lebensmittel(versorgungs)systeme beforscht. Dabei geht sie vor allem auf die Distributions- und Vermarktungswege ein, die von regionaler Bedeutung sind und vielfach auch einen gesellschaftspolitischen Anspruch im Sinne der Ernährungssouveränität verfolgen. „Ernährungssouveränität ist das Recht auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. Sie ist das Recht auf Schutz vor schädlicher Ernährung. Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen” (Deklaration für Ernährungssouveränität). 

Sandra Karner bezog sich bei den Beispielen auf die Idee der “Re-lokalisierung”, die Rückbindung in bestimmten geographischen Raum (“Regionalität”), zur Natur (z.B. lokalspezifische Sorten) und auf  regionale Wirtschaftskreisläufe, die Koppelung mit sozialen Strukturen und integrierte territorial ausgerichtete Steuerung durch neue Formen von Kooperationen (Solidarische Formen), die Local Food Systems oder Alternative Agro-Food Networks (AFN) genannt werden.

Hierzu gehören einerseits Vermarktungsgemeinschaften oder neue Formen der Wirtschaftskooperaton, z.B. ALMO, andererseits von der Zivilgesellschaft ausgehende Ansätze der Prosumer (z.B. eigener Lebensmittelanbau) oder Nosumer (KonsumverweigererInnen). KonsumentInnen werden zu Ceatizens. Gemeinschaftsgärten, Foodcoops (Einkaufsgemeinschaften) oder Solidarische Landwirtschaften (SoLaWi, oder Gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft: GeLaWi, oder Community Supported Agriculture: CSA). Letztere gibt es in verschiedenen Ausformungen, die aber gemeinsam haben, dass ein Ernteanteil und nicht einzelne Produkte von KonsumentInnen erworben werden – zudem werden die KonsumentInnen aktiv in den Landwirtschaftsbetrieb eingebunden (Feste, Unkraut jäten, …). 

Neben den Verteilsystemen gehören auch Governance-Formen zu den AFN. Hierfür sind sogenannte Ernährungsräte/-strategien (Toronto, NYC, BRISTOL; Berlin; Wien, Innsbruck, Graz) als Beispiel zu nennen, welche verschiedene AkteurInnen, die mit Ernährung- und Landwirtschaft zu tun haben, zusammenbringen, um inklusive und nachhaltige Lebensmittelsysteme zu realisieren: private wie öffentliche, unternehmerische wie verwalterische wie zivilgesellschaftliche zu Themen wie Lebensmittelanbau, -verteilung und -konsum, Gesundheit, Integration uvm.

Als Beispiel für die Bündelung verschiedene Initiativen für Ernährungssouveränität wurde das Transition (Town) Movement genannt, dessen Grazer Vertreterin, Transition Graz, auch das Symposium  mit organisierte.

Als nächstes steht bezogen auf Graz die Mitwirkung am EU-Projekt fit4food2030 an, bei dem ein Food-Lab durchgeführt wird.