Transformation durch Kooperation: Konvivialität: Vom Lernen zum Leben – ViviHouse

Lernen ist Teil des Lebens. Wie bereits in der Einführungspräsentation von David Steinwender anhand der Initiative Die Welt verändern lernen (siehe Einleitung bzw. zum Begriff des Reallabors des transformativen Lernens den Anhang) ist praxisnahes und eigenständiges Lernen unter Begleitung eine wesentliche Komponente, eine Nachhaltigkeits- bzw. Resilienz-orientierte Transformation einzuleiten. Do-it-Yourself bzw. Do-it-Together ist dabei ein zentraler Zugang von  Paul Adrian Schulz, von der TU Wien und Mitbegründer der Initiative for Convivial Practices. Der Begriff Konvivialität steht dabei in Anlehnung an den Philosophen Iwan Illich 1) für die wechselseitige Bezogenheit des eigenständige Individuums zu einer Gemeinschaft (im Gegensatz zu den Extremen: Individuum und Gemeinschaft als solche) und 2) für die selbstbestimmte Nutzung von Technologien, wobei es dabei nicht um das Können an sich geht, wie man z.B. etwas repariert, sondern wie spezialisiert die Produkte bedingt, dass nur wenige Menschen a) sie bedienen / reparieren können, b) überhaupt Zugang zu ihnen haben (Sicherheitsvorkehrungen von HighTech-Anlagen oder auch Patente).

Im Bereich des nachhaltigen Bauens ist das von Paul Adrian Schulz vorgestellte Vivihouse genau das Gegenteil. Im Selbstbau lässt sich mit nachhaltigen, nachwachsenden Rohstoffen (Basis: Holz, Stroh, Lehm – die wenigen verwendeten Metallteile sorgen für Stabilität der Module), modular und Open Source  ein mehrstöckiges Gebäude errichten, das auch leicht wieder zerlegt werden kann. Ebenso ist eine laufende Umgestaltung möglich: Fassadenmodule können klassisch ein Fenster haben, oder eine vertikale Minifarm darstellen. Damit könnte diese Bauweise auch eine nicht unwesentliche Rolle für die künftige Stadtteil- und Gemeindeentwicklung sein. Ein Vivihouse ist schnell und unter Begleitung von Fachkundigen auch schnell sowie günstig durch eine Baugruppe gebaut. Der erste Prototyp in der Gemeinde Pernitz in Niederösterreich wurde z.B. ähnlich wie der Ansatz der Landluft-Universität im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der TU Wien gebaut.

Transformation durch Kooperation: Pionier Campus – Das Grätzl der besonderen Art

Kim Aigner von SOL- Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil berichtete von einem “Labor” der besonderen Art. Das sich im Aufbau befindliche Reallabor des transformativen Lernens im 10. Wiener Gemeindebezirk, der Pionier-Campus, ist eine Kooperation zwischen SOL und Transition Austria und als solches ein einmaliges Pilotvorhaben.

Dabei wird eine Siedlung zum Pilot für Stadtteilmetamorphose, bei der milieu-übergreifende Nachhaltigkeitsprojekte, angefangen vom naturnaher Bewirtschaftung der Siedlung inkl. biologischen Gemeinschaftsgarten (die Pionier-Oase), Foodcoop bis hinbishin zum Gemeinschaftsbüro und Nachbarschaftstreffen, bereits initiiert wurden: Gemeinwesenarbeit meets Transition meets FH. 

Dieses bisherige lokale Engagement soll nun mit dem Pionier-Campus weiterentwickelt werden. Direkt angrenzend liegt  der FH Campus Wien mit zahlreichen hierfür relevanten Studiengängen, wie etwa Soziale Arbeit. Hierzu soll der Pionier-Campus neue Möglichkeiten des Lernens und gleichzeitigen Wirkens für Studierende bieten, die sich für eine transformative Gemeinwesenarbeit interessieren.   

Zusammengefasst ist der Pionier-Campus der Rahmen für eine kollaborative Erprobung verschiedener Ansätze von solidarischem und nachhaltigem Zusammenleben mit zeitgemäßen Strategien, wobei “traditionelle” Ansätze der Gemeinwesensarbeit mit Zugängen der nachhaltigen Entwicklung auf lokaler Ebene verbunden werden. Beispiele hierfür sind: Arbeitsmarkt-Trainings, partizipative und co-kreative Nachbarschaftsaktivitäten, Genossenschaften als kollektive Wirtschaftsform uvm. Auch die Munus Stiftung, mit dem Ziel fruchtbaren Boden für alle zu sichern, ist Teil des Co-Workings vor Ort.

Am 05.11.2019 wurde das Vorhaben im Rahmen der INUAS-Konferenz des FH Campus Wien vorgestellt.

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