Strategie und Aktion – Von regionaler Transformation zu globaler Wirksamkeit

Alina Vetter stellte in ihrem Impuls planetYES vor, eine Organisation in Gründung unter der Leitung von Neurologe, Burn-out Experte und Biologe Univ. Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen Burnout und Klimawandel in dem sie den Vergleich herstellt, zwischen dem ökologischen Fußabdruck und Stress, bedingt durch globale Entwicklungen. Mit planetYES möchte Alina Vetter und weitere MitstreiterInnen eine globale Wirkungs- & Realisierungsplattform aufbauen, welche die wesentlichen AkteurInnen und ihre Missionen – Universitäten, Unternehmen, Medien, Initiativen, Projekte, PraktikerInnen sowie deren BewohnerInnen – miteinander in Verbindung bringt, um sich gemeinsam strategisch für eine nachhaltige Entwicklung von Städten und Regionen einzusetzen.

Hierfür forschen die Beteiligten von planetYES praxisnah, wirkungsorientiert, integrativ, interdisziplinär und transdisziplinär in zahlreichen Projekten, die sich gerade im Aufbau befinden. In diesen Projekten sollen offene Prozesse gelebt und durch, Kooperation und gemeinsames Wirken effizient gearbeitet werden. Ein Netzwerk aus WissenschaftlerInnen mit Leitbetrieben und die Zusammenarbeit von Medien sollen planetYES dabei unterstützen, eine Milliarde Menschen zu erreichen.

Transformation durch Kooperation: Vom Land in die Stadt – von dort ins Grätzl

Franziska Schruth vom Stadtlabor Graz sprach über den sich in Entwicklung befindlichen Smart City Stadtteil auf den ehemaligen Waagner-Biro-Gründen nordwestlich des Grazer Hauptbahnhofs. Die Transformation des Stadtteils ist ein andauernder Prozess, der seit 2014 durch das Stadtteilmanagement vor.ort begleitet wird. Dieses achtete insbesondere in der Projektierungsphase der Smart City auf die Berücksichtigung lokaler Potentiale und der Wünsche und Bedürfnisse von AnrainerInnen und anderer Stakeholder. Von Bedeutung waren und sind dabei insbesondere die Themen öffentlicher Raum, Mobilität und Gemeinwesen.

Das Stadtteilmanagement ist zusätzlich serviceorientierte Anlaufstelle für (zukünftige) BewohnerInnen, lokale Unternehmen und Einrichtungen und ist gleichzeitig Informationsdrehscheibe zu den Eigentümern / Bauträgern, Hausverwaltungen, städtischen Abteilungen und Bezirkspolitik. Seit 2018 teilt sich das Stadtteilmanagement vor.ort die Örtlichkeit mit dem angewandten Forschunsgprojekt green.LAB Graz, das der Sondierungsphase Living Green City folgte. Das green.LAB Graz ist einerseits ein begrüntes Demonstrationsgebäude aus Holz sowie ein niederschwellig zugänglicher, offener Lern-, Produktions- und Ausstellungsraum zum Thema urbanes Grün als zentrale Klimawandelanspassungsmaßnahme in smarten Städten. (www.smartcitygraz.at/green-lab-graz/, graz.at/greenLab). Das green.LAB Graz demonstriert als Zwischennutzung, dass städtische Entwicklungsflächen temporär und gleichzeitig nachhaltig und gemeinwesenorientiert genutzt werden können.

Als Kooperationspartner des Stadtteilmanagements vor.ort und des green.LAB Graz unterstützt und betreut die Natur.Werk.Stadt als gemeinnütziges Beschäftigungsprojekt den Betrieb des Demo-Gebäudes sowie den Unterhalt des angrenzenden Stadtteilgartens und setzt Begrünungsinitiativen im Stadtteil um. Stadtteilmanagement, green.LAB Graz und Natur.Werk.Stadt sind – jeder für sich  und gemeinsam- Labore für nachhaltiges Leben in der Stadt. Das StadtLABOR betreibt seit 2014 das Stadtteilmanagement vor.ort. Auftraggeber von Juli 2012 bis Juni 2017: Klima- und Enegiefonds im Rahmen des Programms Smart Cities, Smart City Project Graz. Ab Juni 2017: Stadtbaudirektion Stadt Graz und Entwickler der Smart City Graz. 

Das StadtLABOR ist beim Forschungs- und Entwicklungsprojekt green.LAB Graz einer von sieben Kooperationspartnern und ist für die Bespielung und Programmierung sowie zielgruppenspezifische Sensibilisierung für urbanes Grün zuständig.

Transformation durch Kooperation: Geschichten über_Land – wir gründen ein Dorf

Den ersten Block rundete Barbara Kanzian ab, die auf ihrer Online-Plattform “über_Land” zahlreiche Geschichten über Stadt und Land(wirtschaft) sammelt und Beispiele für nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene sichtbar macht. Als erstes Beispiel nannte sie bereits die Gemeinde Gutenstein.

Barbara Kanzian stellte zu Beginn eine Umfrage vor, bei der die Zufriedenheit der Bevölkerung am Land sehr hoch ist und viele Städter gerne aufs Land möchten. Der Ruf nach dem Urban Village klingt hier durch.

In den Geschichten, die sie sammelt und schreibt, wird vom Co-Working in einem ehemaligen Gasthaus in Munderfing (von dem Ort stellte eine andere Referentin noch ein weiteres Beispiel vor) erzählt, sowie von den innovativen Zukunftsorten Kals in Osttirol (Ortskernerneuerung) und Werfenweng (sanfte Mobilität und Tourismus). Barbara Kanzian porträtiert auch Menschen: Eine Frau, die von Wien nach Parndorf ging, um Ziegenbäuerin zu werden, oder von einem Mann, der weniger Hektik, ein günstigeres Leben und ein Familienunternehmen aufbauen wollte, und letztlich von Wels wegzog, um Bauer in Eggendorf zu werden.

Gutenstein

Die Raimundgemeinde Gutenstein war eine Abwanderungsgemeinde mit wenig Budget aus der Kommunalsteuer. Michael Kreuzer (Bürgermeister von Gutenstein) erzählte, wie er der Gemeinde neues Leben einhauchte, in dem er die EinwohnerInnen stärker in die infrastrukturelle und kulturelle Gemeindeentwicklung einband, wodurch er die Kooperation unter den BewohnerInnen fördern konnte. So wurde das bereits geschlossene Schwimmbad mit Tatenkraft der BürgerInnen saniert.

Die bereits vor der Amtszeit von Michael Kreuzer in Gutenstein stattfindenden Raimundspiele wurden aufgewertet: erstens verbringen die SchauspielerInnen ihre Zeit auch während der Proben bis zu den Aufführungen vor Ort, so wie ein Ferdinand Raimund die Inspiration in der Natur in Gutenstein suchte; zweitens ist dieses Sommertheater nicht ohne die ehrenamtliche Mitwirkung zahlreicher GutensteinerInnen möglich. Dies zeigt, wie auch abseits von großen budgetären Mitteln großes vollbracht werden kann.

Das dritte Beispiel von Michael Kreuzer betrifft die Dorfschmiede rund um die Firma Wohnwagon, welche (mobile) je nach individuellen Anspruch autarke Tiny-Houses baut. Diese siedelten sich im Gutensteinerhof, einem alten Gasthof gegenüber dem Bahnhof an und werden noch weitere anziehen. Ziel von Michael Kreuzer ist es, dass Gutenstein die nachhaltigste Gemeinde Europas wird.

Fehring

Eine andere Geschichte erzählt Fehring. Im Cambium – Leben in Gemeinschaft (www.cambium.at) in Fehring (Steiermark) schlossen sich zwei Gruppen von ehemaligen StadtbewohnerInnen aus Graz und Wien zusammen und erwarben per Vermögenspool die dortige Kaserne für ein Co-Living und Co-Working. Was zunächst nach Ökodorf klingt, ist bei genauerer Betrachtung, wenn man sich die Pläne der BewohnerInnen der Kaserne ansieht, jedoch vielmehr: es geht um eine Örtlichkeit des nachhaltigen Zusammenlebens und Wirtschaftens, eine “Oase des Wandels”, die ihre Umgebung (die Gemeinde Fehring und darüber hinaus, das Vulkanland, Südburgeland, Ungarn) miteinbezieht und mitgestalten möchte (siehe dazu auch im Anhang: Oasen des Wandels).

Das Cambium – Leben in Gemeinschaft, dessen BewohnerInnen nicht nur vor Ort oder in der Gemeinde, sondern auch in Graz und Wien beruflich tätig sind, plant zudem die Einbindung von Hochschulen, die mit ihnen gemeinsam verschiedene Aspekte rund um ihre Oase transdisziplinär erforschen möchten. Unter anderem steht eine Ökobilanzierung des alten Kaserne sowie dessen Anpassung bevor.

Transition for Future

Transition for Future

Die großartige Aktion “Dein Ort für die Zukunft” spricht genau im Kern die Idee der Transition Bewegung an. Wandel muss vor allem vor Ort passieren, dort wo die Menschen ihr Lebensumfeld gestalten. In Friesach in Kärnten versammelten sich zwischen 20.-22.September 2019 zahlreiche Transition Initiativen aus Österreich sowie UnterstützerInnen und setzten ein klares Zeichen für Transition for Future. Zusätzlich wurde der Tag der nachhaltigen Gemeinden gefeiert.

© Sascha Pseiner

Was ist Transition?

Ideen, die im kleinen Umfeld funktionieren, können Lösungen für die großen Probleme der Welt sein. Bei ihren Initiativen und Projekten hat die Transition-Bewegung stets Werte wie Gemeinwohl, Nachhaltigkeit, Kooperation und ökologisches Bewusstsein im Fokus – für die Gestaltung einer Welt, wie wir sie unseren Kindern wünschen.

© Sascha Pseiner

Generationen- und milieuübergreifend gestalten wir den sozioökologischen Wandel aktiv als eine internationale, zivilgesellschaftliche Basisbewegung mit dem Ziel einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

“Transition Initiativen” sind zivilgesellschaftliche Basisinitiativen, die kreativ und konstruktiv mit gegenwärtigen Herausforderungen umgehen und kraftvolle Visionen und positive Zukunftsperspektiven entwickeln.

© Sascha Pseiner

“Transition“ [ Wandel, Übergang ] zu einer krisenfesten und zukunftsfähigen Gesellschaft … auch für nachfolgende Generationen!

Angesichts einer „Welt im Wandel“ mit großen Umbrüchen in Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt und Politik, wollen wir Alternativen aufzeigen und damit Mut machen, gemeinsam aktiv zu werden und Krisen auch als Entwicklungschancen anzunehmen und gemeinsam nach lokalen und regionalen Gestaltungsspielräumen zu suchen.

© Sascha Pseiner

Die Welt ist voller Lösungen!

Nachlese und Dokumentation

Am Dienstag, den 25.06.2019, kamen rund 70 Transformationsbewegte aus Praxis und Hochschule in der Aula der Universität Graz zusammen, um über Möglichkeiten transdisziplinärer Kooperationen im Bereich Stadt- und Regionalentwicklung zu sprechen und erste Schritte in diese Richtung zu setzen.

Hier geht’s zur Dokumentation.

Zu Beginn hieß es jedoch, kurz inne halten und träumen: wohin wollen wir eigentlich gehen?

„Nachlese und Dokumentation“ weiterlesen

The Transition Movement Organizational Handbook

The purpose of this handbook is to describe, in the simplest way possible, how we collaborate and connect at levels beyond local Transition Initiatives.

This is to share inspiration, ideas and learning, support each other emotionally and take action together so that Transition can thrive not only in every place where initiatives emerge, but also influence global systemic changes that will establish regenerative human cultures everywhere.

Transition is a culture change movement

Leitfaden für Entscheidungsfindung in Gruppen

Warum dieser Leitfaden?
Viele Gruppen, die sich für den Gesellschaftswandel engagieren, möchten sich von hierarchischen Entscheidungsmustern verabschieden. Doch was ist die Alternative? Darf und muss jede_r bei jeder Entscheidung mitreden? Setzt sich die lauteste Person durch? Oder setzen sich die Menschen durch, die einfach Fakten schaffen? Wenn in einer Gruppe nicht geklärt ist, wie man zu Entscheidungen kommt, dann ist es nicht verwunderlich, wenn Konflikte auftreten.
Die gute Nachricht ist: Ihr seid nicht die ersten, die sich Gedanken darüber machen – es gibt bewährte Verfahren für unterschiedliche Situationen. Je nach Bedeutung und Tragweite eignen sich andere Verfahren.
Zwei Fragen helfen, das geeignete Verfahren auszuwählen:

  •  Wie wichtig ist die Entscheidung?
  •  Und wer ist davon betroffen?

Wenn man nur einen Termin vereinbaren will, dann reicht eine spontane Vereinbarung. Es gibt Entscheidungen, die von einer Person allein, durch eine Untergruppe oder auch Online Umfrage getroffen werden können, das spart Zeit. Es gibt aber auch Entscheidungen, die von allen mitgetragen werden müssen.