Strategie und Aktion – Von regionaler Transformation zu globaler Wirksamkeit

Alina Vetter stellte in ihrem Impuls planetYES vor, eine Organisation in Gründung unter der Leitung von Neurologe, Burn-out Experte und Biologe Univ. Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen Burnout und Klimawandel in dem sie den Vergleich herstellt, zwischen dem ökologischen Fußabdruck und Stress, bedingt durch globale Entwicklungen. Mit planetYES möchte Alina Vetter und weitere MitstreiterInnen eine globale Wirkungs- & Realisierungsplattform aufbauen, welche die wesentlichen AkteurInnen und ihre Missionen – Universitäten, Unternehmen, Medien, Initiativen, Projekte, PraktikerInnen sowie deren BewohnerInnen – miteinander in Verbindung bringt, um sich gemeinsam strategisch für eine nachhaltige Entwicklung von Städten und Regionen einzusetzen.

Hierfür forschen die Beteiligten von planetYES praxisnah, wirkungsorientiert, integrativ, interdisziplinär und transdisziplinär in zahlreichen Projekten, die sich gerade im Aufbau befinden. In diesen Projekten sollen offene Prozesse gelebt und durch, Kooperation und gemeinsames Wirken effizient gearbeitet werden. Ein Netzwerk aus WissenschaftlerInnen mit Leitbetrieben und die Zusammenarbeit von Medien sollen planetYES dabei unterstützen, eine Milliarde Menschen zu erreichen.

Transition Austria Newsletter November 2019

Liebe Transitioniers und Freunde von Transition Austria.

Ihr habt jetzt länger nichts gehört von uns, zumal ein wesentliches Ereignis für Transition in Österreich kürzlich stattgefunden und dessen Nachbearbeitun uns viel Zeit gekostet hat. Nun möchten wir euch ein kurzes Update geben und euch einladen, mitzuwirken. Die Inhalte des Newsletter sind

Berichte

  1. Die Welt verändern lernen durch – Transformation durch Kooperation – Follow-Ups zum Symposium
  2. Transition Austria – a) Camp in Friesach – b) Transition for Future – c) 1. virtuelles Treffen – d) bei der Jugendklimakonferenz 2019
  3. Berichte von Transition Initiativen – a) Graz – b) Friesach – c) Oststeiermark – d) Wien

Aktuelle Vorhaben

  1. Hub im Aufbau: “Herzliche Beziehungen aufbauen” – a) Neue Arbeitsstruktur – b) Virtuelle Transition Austria Treffen – c) Transition Camps als persönliche Vernetzung
  2. greenksills Symposium und nächstes Transition Austria Treffen
  3. DorfUni 2.0 – die regelmäßig-stattfindende, virtuelle Konferenz der Dörfer

Wir suchen…

  1. Unterstützung bei der Neugestaltung der Transition Austria Homepage
  2. Mithilfe bei der Organisation des nächsten Transition Camps in Wien
„Transition Austria Newsletter November 2019“ weiterlesen

Gusto auf Transformation durch Kooperation

Auf dem Weg der Lebensmittel von den Feldern der LandwirtInnen, Bauern und Bäuerinnen zu den KonsumentInnen durchlaufen sie verschiedene Stationen und unterschiedliche Kanäle der Verteilung. Einen kritischen Blick auf das bestehende globalisierte, neoliberale Lebensmittelversorgungssystem warf die Forscherin Sandra Karner vom Interdisziplinären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur in Graz, die mit ihren transdisziplinären Zugang in nachhaltige und inklusive Lebensmittel(versorgungs)systeme beforscht. Dabei geht sie vor allem auf die Distributions- und Vermarktungswege ein, die von regionaler Bedeutung sind und vielfach auch einen gesellschaftspolitischen Anspruch im Sinne der Ernährungssouveränität verfolgen. „Ernährungssouveränität ist das Recht auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. Sie ist das Recht auf Schutz vor schädlicher Ernährung. Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen” (Deklaration für Ernährungssouveränität). 

Sandra Karner bezog sich bei den Beispielen auf die Idee der “Re-lokalisierung”, die Rückbindung in bestimmten geographischen Raum (“Regionalität”), zur Natur (z.B. lokalspezifische Sorten) und auf  regionale Wirtschaftskreisläufe, die Koppelung mit sozialen Strukturen und integrierte territorial ausgerichtete Steuerung durch neue Formen von Kooperationen (Solidarische Formen), die Local Food Systems oder Alternative Agro-Food Networks (AFN) genannt werden.

Hierzu gehören einerseits Vermarktungsgemeinschaften oder neue Formen der Wirtschaftskooperaton, z.B. ALMO, andererseits von der Zivilgesellschaft ausgehende Ansätze der Prosumer (z.B. eigener Lebensmittelanbau) oder Nosumer (KonsumverweigererInnen). KonsumentInnen werden zu Ceatizens. Gemeinschaftsgärten, Foodcoops (Einkaufsgemeinschaften) oder Solidarische Landwirtschaften (SoLaWi, oder Gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft: GeLaWi, oder Community Supported Agriculture: CSA). Letztere gibt es in verschiedenen Ausformungen, die aber gemeinsam haben, dass ein Ernteanteil und nicht einzelne Produkte von KonsumentInnen erworben werden – zudem werden die KonsumentInnen aktiv in den Landwirtschaftsbetrieb eingebunden (Feste, Unkraut jäten, …). 

Neben den Verteilsystemen gehören auch Governance-Formen zu den AFN. Hierfür sind sogenannte Ernährungsräte/-strategien (Toronto, NYC, BRISTOL; Berlin; Wien, Innsbruck, Graz) als Beispiel zu nennen, welche verschiedene AkteurInnen, die mit Ernährung- und Landwirtschaft zu tun haben, zusammenbringen, um inklusive und nachhaltige Lebensmittelsysteme zu realisieren: private wie öffentliche, unternehmerische wie verwalterische wie zivilgesellschaftliche zu Themen wie Lebensmittelanbau, -verteilung und -konsum, Gesundheit, Integration uvm.

Als Beispiel für die Bündelung verschiedene Initiativen für Ernährungssouveränität wurde das Transition (Town) Movement genannt, dessen Grazer Vertreterin, Transition Graz, auch das Symposium  mit organisierte.

Als nächstes steht bezogen auf Graz die Mitwirkung am EU-Projekt fit4food2030 an, bei dem ein Food-Lab durchgeführt wird.

Transformation durch Kooperation: Konvivialität: Vom Lernen zum Leben – ViviHouse

Lernen ist Teil des Lebens. Wie bereits in der Einführungspräsentation von David Steinwender anhand der Initiative Die Welt verändern lernen (siehe Einleitung bzw. zum Begriff des Reallabors des transformativen Lernens den Anhang) ist praxisnahes und eigenständiges Lernen unter Begleitung eine wesentliche Komponente, eine Nachhaltigkeits- bzw. Resilienz-orientierte Transformation einzuleiten. Do-it-Yourself bzw. Do-it-Together ist dabei ein zentraler Zugang von  Paul Adrian Schulz, von der TU Wien und Mitbegründer der Initiative for Convivial Practices. Der Begriff Konvivialität steht dabei in Anlehnung an den Philosophen Iwan Illich 1) für die wechselseitige Bezogenheit des eigenständige Individuums zu einer Gemeinschaft (im Gegensatz zu den Extremen: Individuum und Gemeinschaft als solche) und 2) für die selbstbestimmte Nutzung von Technologien, wobei es dabei nicht um das Können an sich geht, wie man z.B. etwas repariert, sondern wie spezialisiert die Produkte bedingt, dass nur wenige Menschen a) sie bedienen / reparieren können, b) überhaupt Zugang zu ihnen haben (Sicherheitsvorkehrungen von HighTech-Anlagen oder auch Patente).

Im Bereich des nachhaltigen Bauens ist das von Paul Adrian Schulz vorgestellte Vivihouse genau das Gegenteil. Im Selbstbau lässt sich mit nachhaltigen, nachwachsenden Rohstoffen (Basis: Holz, Stroh, Lehm – die wenigen verwendeten Metallteile sorgen für Stabilität der Module), modular und Open Source  ein mehrstöckiges Gebäude errichten, das auch leicht wieder zerlegt werden kann. Ebenso ist eine laufende Umgestaltung möglich: Fassadenmodule können klassisch ein Fenster haben, oder eine vertikale Minifarm darstellen. Damit könnte diese Bauweise auch eine nicht unwesentliche Rolle für die künftige Stadtteil- und Gemeindeentwicklung sein. Ein Vivihouse ist schnell und unter Begleitung von Fachkundigen auch schnell sowie günstig durch eine Baugruppe gebaut. Der erste Prototyp in der Gemeinde Pernitz in Niederösterreich wurde z.B. ähnlich wie der Ansatz der Landluft-Universität im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der TU Wien gebaut.

Transformation durch Kooperation: Grün eine Voraussetzung für Gesundheitsdörfer

Gesundheitsdörfer und ihr Potential für das Miteinander von Stadt und Land bei der Gestaltung einer an Menschen orientierten Zukunft war das Thema von Günter Hubmeier’s Präsentation (Initiative Zivilgesellschaft / BewusstSEINswelt). Damit wurde klar, dass die nachhaltige Entwicklung gemäß SDG 3, Gesundheit und Wohlbefinden, das Thema wirkungsorientierte Gesundheitsförderung ganzheitlich integriert .

Günter Hubmeier bezieht sich bestehende Kritik, wonach das aktuelle Gesundheitswesen (am Krank-sein orientiert) an seine Grenzen stößt. Es sollte umfassender sein und Prävention stärker inkludieren. Dazu gehört eine gesunde Umwelt. Die Eigenverantwortung der Menschen für ihre Gesundheit brauche neues Bewusstsein, Begleitung und den entsprechenden Rahmen. Im Dorf sieht er diesen. Gesundheitsdörfer sind demnach:

  • Dörfer, wo sich Menschen selbstverantwortlich in und mit der Natur ihrer Gesundheit widmen (können);
  • ein Ort mit Fokus auf Gesundheit, Ganzheit und Nachhaltigkeit;
  • ein Ort der Begegnung, Erfahrung, Entwicklung und Heilung, wobei die bestmögliche Entfaltung und Förderung jeder/s Einzelnen im Mittelpunkt stehen;
  • ein Dorf, in dem die Natur als Heilerin betrachtet wird und das Dorf sich in seiner Bauweise, seiner Lebensform und seinem Verhalten im Einklang mit der natürlichen Umwelt bringt: “Der stärkste Partner für die eigenverantwortliche Gesundheitsförderung ist der benachbarte Naturraum”.

Green Care bietet hierfür bereits jetzt einen Ansatz. Der Greencare Masterplan fasst im wesentlichen zusammen, was die BewusstSEINswelt anstrebt. Aktive Kooperationen zur Realisierung der Bewusstseinswelt im Dunkelsteinerwald in der Wachau werden noch gesucht. Die Präsentation ist auf der Website www.bewusstseinswelt.at zum download und zur nachlese bereitgestellt.

Transformation durch Kooperation: Pionier Campus – Das Grätzl der besonderen Art

Kim Aigner von SOL- Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil berichtete von einem “Labor” der besonderen Art. Das sich im Aufbau befindliche Reallabor des transformativen Lernens im 10. Wiener Gemeindebezirk, der Pionier-Campus, ist eine Kooperation zwischen SOL und Transition Austria und als solches ein einmaliges Pilotvorhaben.

Dabei wird eine Siedlung zum Pilot für Stadtteilmetamorphose, bei der milieu-übergreifende Nachhaltigkeitsprojekte, angefangen vom naturnaher Bewirtschaftung der Siedlung inkl. biologischen Gemeinschaftsgarten (die Pionier-Oase), Foodcoop bis hinbishin zum Gemeinschaftsbüro und Nachbarschaftstreffen, bereits initiiert wurden: Gemeinwesenarbeit meets Transition meets FH. 

Dieses bisherige lokale Engagement soll nun mit dem Pionier-Campus weiterentwickelt werden. Direkt angrenzend liegt  der FH Campus Wien mit zahlreichen hierfür relevanten Studiengängen, wie etwa Soziale Arbeit. Hierzu soll der Pionier-Campus neue Möglichkeiten des Lernens und gleichzeitigen Wirkens für Studierende bieten, die sich für eine transformative Gemeinwesenarbeit interessieren.   

Zusammengefasst ist der Pionier-Campus der Rahmen für eine kollaborative Erprobung verschiedener Ansätze von solidarischem und nachhaltigem Zusammenleben mit zeitgemäßen Strategien, wobei “traditionelle” Ansätze der Gemeinwesensarbeit mit Zugängen der nachhaltigen Entwicklung auf lokaler Ebene verbunden werden. Beispiele hierfür sind: Arbeitsmarkt-Trainings, partizipative und co-kreative Nachbarschaftsaktivitäten, Genossenschaften als kollektive Wirtschaftsform uvm. Auch die Munus Stiftung, mit dem Ziel fruchtbaren Boden für alle zu sichern, ist Teil des Co-Workings vor Ort.

Am 05.11.2019 wurde das Vorhaben im Rahmen der INUAS-Konferenz des FH Campus Wien vorgestellt.

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Transformation durch Kooperation: Vom Land in die Stadt – von dort ins Grätzl

Franziska Schruth vom Stadtlabor Graz sprach über den sich in Entwicklung befindlichen Smart City Stadtteil auf den ehemaligen Waagner-Biro-Gründen nordwestlich des Grazer Hauptbahnhofs. Die Transformation des Stadtteils ist ein andauernder Prozess, der seit 2014 durch das Stadtteilmanagement vor.ort begleitet wird. Dieses achtete insbesondere in der Projektierungsphase der Smart City auf die Berücksichtigung lokaler Potentiale und der Wünsche und Bedürfnisse von AnrainerInnen und anderer Stakeholder. Von Bedeutung waren und sind dabei insbesondere die Themen öffentlicher Raum, Mobilität und Gemeinwesen.

Das Stadtteilmanagement ist zusätzlich serviceorientierte Anlaufstelle für (zukünftige) BewohnerInnen, lokale Unternehmen und Einrichtungen und ist gleichzeitig Informationsdrehscheibe zu den Eigentümern / Bauträgern, Hausverwaltungen, städtischen Abteilungen und Bezirkspolitik. Seit 2018 teilt sich das Stadtteilmanagement vor.ort die Örtlichkeit mit dem angewandten Forschunsgprojekt green.LAB Graz, das der Sondierungsphase Living Green City folgte. Das green.LAB Graz ist einerseits ein begrüntes Demonstrationsgebäude aus Holz sowie ein niederschwellig zugänglicher, offener Lern-, Produktions- und Ausstellungsraum zum Thema urbanes Grün als zentrale Klimawandelanspassungsmaßnahme in smarten Städten. (www.smartcitygraz.at/green-lab-graz/, graz.at/greenLab). Das green.LAB Graz demonstriert als Zwischennutzung, dass städtische Entwicklungsflächen temporär und gleichzeitig nachhaltig und gemeinwesenorientiert genutzt werden können.

Als Kooperationspartner des Stadtteilmanagements vor.ort und des green.LAB Graz unterstützt und betreut die Natur.Werk.Stadt als gemeinnütziges Beschäftigungsprojekt den Betrieb des Demo-Gebäudes sowie den Unterhalt des angrenzenden Stadtteilgartens und setzt Begrünungsinitiativen im Stadtteil um. Stadtteilmanagement, green.LAB Graz und Natur.Werk.Stadt sind – jeder für sich  und gemeinsam- Labore für nachhaltiges Leben in der Stadt. Das StadtLABOR betreibt seit 2014 das Stadtteilmanagement vor.ort. Auftraggeber von Juli 2012 bis Juni 2017: Klima- und Enegiefonds im Rahmen des Programms Smart Cities, Smart City Project Graz. Ab Juni 2017: Stadtbaudirektion Stadt Graz und Entwickler der Smart City Graz. 

Das StadtLABOR ist beim Forschungs- und Entwicklungsprojekt green.LAB Graz einer von sieben Kooperationspartnern und ist für die Bespielung und Programmierung sowie zielgruppenspezifische Sensibilisierung für urbanes Grün zuständig.

Transformation durch Kooperation: Geschichten über_Land – wir gründen ein Dorf

Den ersten Block rundete Barbara Kanzian ab, die auf ihrer Online-Plattform “über_Land” zahlreiche Geschichten über Stadt und Land(wirtschaft) sammelt und Beispiele für nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene sichtbar macht. Als erstes Beispiel nannte sie bereits die Gemeinde Gutenstein.

Barbara Kanzian stellte zu Beginn eine Umfrage vor, bei der die Zufriedenheit der Bevölkerung am Land sehr hoch ist und viele Städter gerne aufs Land möchten. Der Ruf nach dem Urban Village klingt hier durch.

In den Geschichten, die sie sammelt und schreibt, wird vom Co-Working in einem ehemaligen Gasthaus in Munderfing (von dem Ort stellte eine andere Referentin noch ein weiteres Beispiel vor) erzählt, sowie von den innovativen Zukunftsorten Kals in Osttirol (Ortskernerneuerung) und Werfenweng (sanfte Mobilität und Tourismus). Barbara Kanzian porträtiert auch Menschen: Eine Frau, die von Wien nach Parndorf ging, um Ziegenbäuerin zu werden, oder von einem Mann, der weniger Hektik, ein günstigeres Leben und ein Familienunternehmen aufbauen wollte, und letztlich von Wels wegzog, um Bauer in Eggendorf zu werden.

Gutenstein

Die Raimundgemeinde Gutenstein war eine Abwanderungsgemeinde mit wenig Budget aus der Kommunalsteuer. Michael Kreuzer (Bürgermeister von Gutenstein) erzählte, wie er der Gemeinde neues Leben einhauchte, in dem er die EinwohnerInnen stärker in die infrastrukturelle und kulturelle Gemeindeentwicklung einband, wodurch er die Kooperation unter den BewohnerInnen fördern konnte. So wurde das bereits geschlossene Schwimmbad mit Tatenkraft der BürgerInnen saniert.

Die bereits vor der Amtszeit von Michael Kreuzer in Gutenstein stattfindenden Raimundspiele wurden aufgewertet: erstens verbringen die SchauspielerInnen ihre Zeit auch während der Proben bis zu den Aufführungen vor Ort, so wie ein Ferdinand Raimund die Inspiration in der Natur in Gutenstein suchte; zweitens ist dieses Sommertheater nicht ohne die ehrenamtliche Mitwirkung zahlreicher GutensteinerInnen möglich. Dies zeigt, wie auch abseits von großen budgetären Mitteln großes vollbracht werden kann.

Das dritte Beispiel von Michael Kreuzer betrifft die Dorfschmiede rund um die Firma Wohnwagon, welche (mobile) je nach individuellen Anspruch autarke Tiny-Houses baut. Diese siedelten sich im Gutensteinerhof, einem alten Gasthof gegenüber dem Bahnhof an und werden noch weitere anziehen. Ziel von Michael Kreuzer ist es, dass Gutenstein die nachhaltigste Gemeinde Europas wird.

Fehring

Eine andere Geschichte erzählt Fehring. Im Cambium – Leben in Gemeinschaft (www.cambium.at) in Fehring (Steiermark) schlossen sich zwei Gruppen von ehemaligen StadtbewohnerInnen aus Graz und Wien zusammen und erwarben per Vermögenspool die dortige Kaserne für ein Co-Living und Co-Working. Was zunächst nach Ökodorf klingt, ist bei genauerer Betrachtung, wenn man sich die Pläne der BewohnerInnen der Kaserne ansieht, jedoch vielmehr: es geht um eine Örtlichkeit des nachhaltigen Zusammenlebens und Wirtschaftens, eine “Oase des Wandels”, die ihre Umgebung (die Gemeinde Fehring und darüber hinaus, das Vulkanland, Südburgeland, Ungarn) miteinbezieht und mitgestalten möchte (siehe dazu auch im Anhang: Oasen des Wandels).

Das Cambium – Leben in Gemeinschaft, dessen BewohnerInnen nicht nur vor Ort oder in der Gemeinde, sondern auch in Graz und Wien beruflich tätig sind, plant zudem die Einbindung von Hochschulen, die mit ihnen gemeinsam verschiedene Aspekte rund um ihre Oase transdisziplinär erforschen möchten. Unter anderem steht eine Ökobilanzierung des alten Kaserne sowie dessen Anpassung bevor.

Transformation durch Kooperation: Die Schule als Impulsgeberin für den Standort

Im Anschluss übernahmen die ArchitektInnen. Anfangs sprach Judith Zöchmeister [ORT_GANG ARCHITEKTUR] über das Potential von Schulen als Impulsgeberinnen für ein vitales Orts- bzw. Stadtteil-Leben. 

Zunächst stellte sie klar, dass ökologisch, kulturell und sozial nachhaltige Architektur standortspezifisch ist, – es also keine fertigen Lösungen, sehr wohl aber generelle Lösungsansätze gibt, in die die jeweiligen Randbedingungen ähnlich einer mathematischen Gleichung als Parameter eingesetzt werden, um zu einem individuellen, standortgerechten und dadurch identitätsstiftenden Ergebnis zu gelangen.

Bevor es um das eigentliche Projekt ging, zeigte Judith Zöchmeister die aktuelle Lage des ländlichen Raums exemplarisch am Beispiel Annaberg in NÖ auf: (i) Trotz massiver Investitionen in den Sommer- und Winterbergtourismus der Region sind sowohl Schul- als auch Lebensmittel- und medizinische Nahversorgung ein brennendes Dauerthema. Tagespendeln ist für Erwachsene und Jugendliche ab spätestens der 5. Schulstufe gelebte Realität. (ii) Trotz Aufwertung der historisch wertvollen Mariazellerbahnstrecke als moderne Bahnlinie erfolgt die tägliche Mobilität fast ausschließlich auf der Straße. 

Das Forschungsprojekt „Schule im Zentrum“ möchte dieser Tendenz entgegenwirken, indem
(i) dezentrale Schulstandorte gestärkt und somit die Schüler am Standort gehalten werden,
(ii) Nutzungssynergien zwischen Schule und der örtlichen Dienstleistung geschlossen werden und
(iii) die Schule baulich und räumlich mit dem Umfeld verschränkt wird. 
Die Schule wird somit zum Kristallisationspunkt für ein funktionierendes Gemeinschaftsleben, mit positiver Auswirkung auf die lokale Wirtschaft, Um- und Nachnutzung von Bestandsgebäuden und die baukulturelle Entwicklung von Ortskern und Schule. 

Als Beispiele aus dem Schulbereich wurden die Primarschule in Suhr (CH) sowie der Schulkampus in Feldkirchen an der Donau (A) gezeigt, wobei die Schule in Suhr durch offene Durchwegung und allgemein zugängliche Bibliothek überzeugt, während die Schule in Feldkirchen besonders durch das „Bauprovisorium“ besticht, indem die Schüler während der Bauzeit in Geschäftsleerständen und Gemeinderäumen untergebracht wurden. Als konsequentestes Beispiel von Nutzungsmischung und Öffnung nach außen wurde die Kunsthalle Les Halles du Scilt in Schiltigheim nahe Straßbourg (F) gezeigt. Hier wurden Markthalle im EG und Ausstellungsräume im OG bei der Umnutzung eines historischen Industriebaus vereint, ein Café nach außen angebaut – und die Verwaltungsräume der Kunsthalle zugunsten dieser Nutzungsverschränkung in die Umgebung ausgelagert(!).-  In der Folge ist das gesamte Quartier zu neuer Vitalität gelangt. 

Das Projekt Schule im Zentrum steht gerade am Anfang und ist aufgrund der Interdisziplinarität und breiten Kompetenzverteilung mit Herausforderungen konfrontiert. Jedoch unterstreicht Judith Zöchmeister die positiven Voraussetzungen und Potentiale. Diese sind: 

  • Steigendes politisches und gesellschaftliches Bewusstsein für Qualität, Potential und Problematik ländlicher Räume
  • Engagierte und gut ausgebildete RückkehrerInnen als Träger wirksamer Einzelprojekte
  • Die gesetzliche Regelung für die Dezentralisierung von Schulstandorten durch Clusterbildung mit anderen Schulen (auch unterschiedlichen Schultyps) in der Bildungsreform 2017

Transformation durch Kooperation: Ein neues Bild vom Land – DorfUni

Der Impulsblock vor der ersten Pause beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit dem ländlichen Raum. Isabel Stumfol von der TU Wien stellte als zweite Rednerin gemeinsam mit Kerstin Schmid Beispiele aus ihren Forschungs- und Lehrtätigkeiten vor, und zeigte, wie transdisziplinäre Zugänge in der Raumplanung aussehen: Story-Telling spielt dabei eine besondere Rolle.

Ein Anliegen von Isabel Stumfol und ihrer Studentin Kerstin Schmid in diesem Zusammenhang ist es, genauer hinzusehen, bewusst und aufmerksam darüber-zu-reden, zu vernetzen und zu visualisieren, “mutig und auch mal verrückt zu sein” und Position für das eigene Leben am Land zu beziehen. Dies drückt auch den Appell von Isabel Stumfol aus, den ländlichen Raum nicht zu mystifizieren und zu romantisieren, ebenso sei die Schwarzmalerei kontraproduktiv.

Mehr als Obergail  (http://www.mehralsobergail.at/) beispielsweise war ein transdisziplinäres Lehrveranstaltungsprojekt an der Uni Wien, bei dem es im gleichnamigen Ort Obergail im Kärntner Lesachtail darum ging, Geschichten des Ortes zu sammeln und so die Partizipation anzuregen. Ähnlich wie in diesem Symposium die Lehrveranstaltung “IP Die Vitale Gemeinde” eine Science-Society-Kooperation zu ländlichen Räumen inkludierte, wurde das Projekt “Mehr als Obergail”  auch im Rahmen der Landluft Universität (http://uni.landluft.at/) einem urbanen Publikum in Wien vorgestellt.

Ein weiteres Projekt das die beiden vorstellten, betraf den Miteinbezug von Kindern in die Umweltgestaltung in Form des Kartierens (Mappings): Kinder sehen die Welt anders in Stainz. Die Inklusion von Kindern in einer Art und Weise, deren Zugänge adäquat der Altersgruppe entsprechend ist, wurde in weiterer Folge auch in anderen Präsentationen und auch bei den anschließenden Thementischen aufgegriffen. So stellen Ernst genommene Anliegen von Kindern und Jugendlichen auch ein Herzstück für die Lebendigkeit und den Erhalt ländlicher Räume dar. Weitere nicht vertretene aber nennenswerte Beispiele hierfür sind das Netzwerk der Lebenswerten Gemeinde, welches im September zum “Bewusst gemeinsam Leben”-Kongress in Salzburg einladen, Initiativen wie der Jugendgemeinderat oder die Jugend Strategie des Landes Steiermark. Letztere beiden wären aus Sicht der Symposiumsreflektion Kernbestandteil für eine nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume, wenn sie eng mit Gemeindeanliegen in Verbindung gebracht werden.

Als Abschluss der Präsentation von Isabel Stumfol wurde der Kooperationsaspekt des Symposiums verdeutlicht. Die im Bild ersichtliche Box auf Rädern – ursprünglich aus dem Projekt Mehr als Obergail  – wurde während des Symposiums genutzt, um Ideen und Geschichten für und über ländliche Räume zu sammeln. Einige davon werden unten stehend noch vorgestellt.

Transformation durch Kooperation – cc-by-nc-sa Thomas Plattner