Transformation durch Kooperation: Die Schule als Impulsgeberin für den Standort

Im Anschluss übernahmen die ArchitektInnen. Anfangs sprach Judith Zöchmeister [ORT_GANG ARCHITEKTUR] über das Potential von Schulen als Impulsgeberinnen für ein vitales Orts- bzw. Stadtteil-Leben. 

Zunächst stellte sie klar, dass ökologisch, kulturell und sozial nachhaltige Architektur standortspezifisch ist, – es also keine fertigen Lösungen, sehr wohl aber generelle Lösungsansätze gibt, in die die jeweiligen Randbedingungen ähnlich einer mathematischen Gleichung als Parameter eingesetzt werden, um zu einem individuellen, standortgerechten und dadurch identitätsstiftenden Ergebnis zu gelangen.

Bevor es um das eigentliche Projekt ging, zeigte Judith Zöchmeister die aktuelle Lage des ländlichen Raums exemplarisch am Beispiel Annaberg in NÖ auf: (i) Trotz massiver Investitionen in den Sommer- und Winterbergtourismus der Region sind sowohl Schul- als auch Lebensmittel- und medizinische Nahversorgung ein brennendes Dauerthema. Tagespendeln ist für Erwachsene und Jugendliche ab spätestens der 5. Schulstufe gelebte Realität. (ii) Trotz Aufwertung der historisch wertvollen Mariazellerbahnstrecke als moderne Bahnlinie erfolgt die tägliche Mobilität fast ausschließlich auf der Straße. 

Das Forschungsprojekt „Schule im Zentrum“ möchte dieser Tendenz entgegenwirken, indem
(i) dezentrale Schulstandorte gestärkt und somit die Schüler am Standort gehalten werden,
(ii) Nutzungssynergien zwischen Schule und der örtlichen Dienstleistung geschlossen werden und
(iii) die Schule baulich und räumlich mit dem Umfeld verschränkt wird. 
Die Schule wird somit zum Kristallisationspunkt für ein funktionierendes Gemeinschaftsleben, mit positiver Auswirkung auf die lokale Wirtschaft, Um- und Nachnutzung von Bestandsgebäuden und die baukulturelle Entwicklung von Ortskern und Schule. 

Als Beispiele aus dem Schulbereich wurden die Primarschule in Suhr (CH) sowie der Schulkampus in Feldkirchen an der Donau (A) gezeigt, wobei die Schule in Suhr durch offene Durchwegung und allgemein zugängliche Bibliothek überzeugt, während die Schule in Feldkirchen besonders durch das „Bauprovisorium“ besticht, indem die Schüler während der Bauzeit in Geschäftsleerständen und Gemeinderäumen untergebracht wurden. Als konsequentestes Beispiel von Nutzungsmischung und Öffnung nach außen wurde die Kunsthalle Les Halles du Scilt in Schiltigheim nahe Straßbourg (F) gezeigt. Hier wurden Markthalle im EG und Ausstellungsräume im OG bei der Umnutzung eines historischen Industriebaus vereint, ein Café nach außen angebaut – und die Verwaltungsräume der Kunsthalle zugunsten dieser Nutzungsverschränkung in die Umgebung ausgelagert(!).-  In der Folge ist das gesamte Quartier zu neuer Vitalität gelangt. 

Das Projekt Schule im Zentrum steht gerade am Anfang und ist aufgrund der Interdisziplinarität und breiten Kompetenzverteilung mit Herausforderungen konfrontiert. Jedoch unterstreicht Judith Zöchmeister die positiven Voraussetzungen und Potentiale. Diese sind: 

  • Steigendes politisches und gesellschaftliches Bewusstsein für Qualität, Potential und Problematik ländlicher Räume
  • Engagierte und gut ausgebildete RückkehrerInnen als Träger wirksamer Einzelprojekte
  • Die gesetzliche Regelung für die Dezentralisierung von Schulstandorten durch Clusterbildung mit anderen Schulen (auch unterschiedlichen Schultyps) in der Bildungsreform 2017

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